Heute gibt es zur Abwechslung mal keine Seminare, sondern einen gemeinsamen Ausflug der von Valletta über die drei Städte auf der anderen Seite des Großen Hafens (vor allem: Birgu) nach Mdina (bis 1532 die alte Hauptstadt Maltas). Unser Reiseführer ist Prof. Albert Borg, der sich als hervorragender Historiker erweist (erstaunlich, wie er das neben seinen umfangreichen Veröffentlichungen in der maltesischen Linguistik alles auf die Reihe bekommt).
Unsere Tour führt uns zunächst zum ursprünglichen Eingang Vallettas (der heutige am zentralen Busbahnhof ist in britischer Zeit gebaut worden). Massive Befestigunsmauern, die mit dem darunterliegenden Fels eine Einheit bilden, zeigen, warum Valletta bis zur Erfindung des Flugzeugs als uneinnehmbare Festung galt. Diese Architektur basiert auf der militärischen Erfindung des 16 Jahrhunderts, den Angreifer teilweise einzulassen und dann von verschiedenen Seiten aus ins Kreuzfeuer zu nehmen und aufzureiben.
Unter einem der Haupttürme befand sich im Zweiten Weltkrieg die britische Kommandozentrale für das Mittelmeer und Nordafrika. Und die arme Bevölkerung mußte dadurch unter den zahlreichen Bombenangriffen der Deutschen und Italiener leiden, von der Zerstörung historischer Substanz ganz zu schweigen (die meisten historischen Gebäude auf der ganzen Insel sind nach dem Krieg wieder aufgebaut worden). Aber die Festungsmauern haben auch das ausgehalten.
Weiter geht’s nach Birgu (neumaltesisch: Vittoriosa), eine der sogenannten Drei Städte (Birgu, Kalkara, Bormla). Birgu war die befestigte Stadt, die 1565 dem Angriff und der Belagerung durch die Osmanen standhielt. Die drei Städte sind jeweils für sich befestigt und zusätzlich noch einmal durch einen riesigen Befestigungsring eingefaßt. Wie dick diese Festungsmauern sind, merkt man besonders dann, wenn man mit dem Auto auf der Hauptstraße nach Birgu fährt und dann durch den langen Tunnel kommt, den man in späterer Zeit in die Mauer „einbaut“ hat. Die Drei Städte bildeten später den Stützpunkt, von dem aus Valletta geplant und erbaut wurde. Hier ein kleiner Geschmack von den vier Stadttoren, die die Angreifer zu überwinden hatten. Das vierte trifft übrigens auf eine enge Gasse, wo man sofort frontal gegen eine Mauer stürmen müßte. Mann, ist das gemein!
In einem kleinen Park mit Blick auf Birgu und den Großen Hafen erfahren wir alles über die schreckliche Belagerung von 1565. Hier ist übrigens einer der Wachtürme zu sehen, mit denen man den Hafen überwachen und Kontakt zum gegenüberliegenden Turm in Valletta aufnehmen konnte.
Unser Gang durch Birgu führt uns an verschiedenen Sehenswürdigkeiten vorbei:
Schöne Gassen mit wunderbaren Wohnhäusern, in denen u.a. verschiedene Kreuzrittergruppen (geordnet nach Nation) und (natürlich separat) auch der Henker der Stadt residierte.
Am Ende des Ausflugs geht es nach Mdina. Mdina war die ursprüngliche Hauptstadt, bevor dieser Status 1532 an Birgu und 1571 an Valletta ging. Mdina geht sogar auf Siedlungen der Bronzezeit zurück. Phönizier, Römer, Araber, Normannen und Kreuzritter haben hier ihre Spuren hinterlassen, ebenso das Erdbeben von 1693 (weshalb viele Hauseingänge aus der Normannenzeit „tiefergelegt“ sind, weil man statt aufwendigem Neubau und Trümmerbeseitigung einfach das Straßenniveau angehoben hat).
Zuerst aber besuchen wir die Katakomben, in denen bereits in frühchristlicher Zeit Tote „zwischengelagert“ wurden. Im Laufe der Zeit (bis ins 15. Jh. hinein) ist so eine ziemlich große Anlage entstanden, die sich über weite Teile der Insel erstreckt.
Ein gemeinsames Essen im „Fontanella“ (schönes Ambiente, grauenhafter Service!) beendet unseren Ausflug. Noch ein Blick von den Stadtmauern in Richtung Osten (geradeaus an der Küste liegt Sliema), dann geht’s wieder zurück. Ab morgen gehen die Seminare weiter.
