Zwar ist das Thema meiner Dissertation „Wortschreibungen im Maltesischen“, aber hier muß ich mal wieder etwas über Wortschreibungen im Deutschen loswerden. Kürzlich erregte ein Plakat des Studentenwerks meine Aufmerksamkeit und kurz darauf auch mein Gemüt. In großen Buchstaben sprang mich der Schriftzug „Eltern-Kind Café“ an.
„Caramba!“ entfuhr es mir. „Waren die etwa zu geizig für einen zweiten Bindestrich?“ Wer sich die Mühe macht, z.B. durch Verschiebe- und Ersetzungsprobe den Wortstatus dieses Ausdrucks zu testen, wird feststellen: Es handelt sich wirklich nur um ein Wort! Nicht zwei (*Eltern-Kind Café oder *Eltern Kind-Café) oder drei (*Eltern Kind Café). Nein. Ein Wort. Also die kleinste zusammenhängende Einheit, die ich im Satz z.B. durch Verschieben oder Austauschen analysieren kann:
Heute gehen wir ins Eltern-Kind-Café feiern.
Gehen wir heute ins Eltern-Kind-Café feiern?
Wir gehen heute ins Eltern-Kind-Café feiern.
Ins Eltern-Kind-Café gehen wir heute feiern.
Ins Restaurant gehen wir heute feiern.
…..
Beim Ausprobieren aller Kombinationen wird man feststellen, daß sich Eltern-Kind-Café eben nicht nicht weiter zerpflücken läßt. Es ist ein Wort. Wie wir durch die oben genannten Proben sehen, ist es ein syntaktisches Wort. Und auch morphologisch ist es ein Wort. Heißt: Wörter, die nach morphologischem Bildungsmuster (das sind Muster wie z.B. be-X-en + Nomen > bemannen, besohlen oder Nomen + Nomen + … > Donaudampfschiffahrtskapitän) gebildet werden. Und die werden zusammengeschrieben. Unser Eltern-Kind-Café gehört zu den Nomina, die nach dem Muster Donaudampfschiffahrtskapitän gebildet werden. Also: bitte zusammenschreiben (oder wenigstens die Einzelteile mit Bindestrichen verbinden)!
Ähnliches gilt für den Schriftzug selbst organisierte Treffen studierender Eltern: selbstorganisiert ist ein morphologisches (und syntaktisches) Wort. Können wir ein weiteres Adjektiv reinschieben? Nein: *selbst viele organisierte Treffen studierender Eltern. Und — auf rein intuitiver Ebene gefragt — stört es wirklich niemanden, daß das auseinandergeschriebene Wort selbst die Bedeutung „sogar“ bekommt?
Und wenn ich schon einmal beim Meckern bin, dann will ich auch Konstruktionen wie
Ich arbeite gerne in online Phasen. (richtig: Onlinephasen oder Online-Phasen)
Ihm fiel ein Kilo schwerer Stein vom Herzen. (richtig: kiloschwerer )
nicht mehr sehen. Jedenfalls nicht auf Plakaten öffentlicher Einrichtungen, bei deren Entstehung doch immerhin eine Redaktion gearbeitet haben muß.
2 Gedanken zu „Eltern! Kind! Café!“
Kannst du nicht mal einen Beitrag zu „online Phasen“ oder „online basierte Software“ machen. Fände ich sehr spannend. Allerdings wünsche ich mir etwas mehr Informationen, damit ich das nachvollziehen kann.
Nur im Gegenzug zu einer funktionierenden Unicode-Darstellung im Blogtitel („ħ“ statt „?“). 😈
Die Kommentare sind geschlossen.