Wortschreibungen im Deutschen

Was sind Wortschreibungen? Das ist die Art, wie man Wörter in der jeweiligen Orthographie voneinander abtrennt. Wie wir noch sehen werden, können Wörter im Deutschen auch aus mehreren Teilausdrücken (Jacobs 2005) aufgebaut sein. Aber der Reihe nach…

Im Deutschen kennen wir folgende Mittel zur Markierung von Wörtern :

1. Leerzeichen (auch „Spatium“ genannt)

Das Leerzeichen trennt die einzelnen Wörter im Satz voneinander ab (ein Sternchen * markiert im folgenden inakzeptable Formen):

(1) a) *Daskannmannichtzusammenschreiben.
b) Das kann man nicht zusammenschreiben.
c) Das kann man nicht zusammen schreiben.

Beispiel (1) zeigt, wie im Deutschen Teilausdrücke auseinandergeschrieben werden, die morphologisch kein Wort bilden. Der Unterschied zwischen (1) b) und c) ist, daß in b) „zusammenschreiben“ im Gegensatz zu „auseinanderschreiben“ zu verstehen ist. Die Teilausdrücke „zusammen“ und „schreiben“ bilden hier ein gemeinsames Wort (ein Verb). In (1) c) ist „zusammen“ das Adverb zum Verb „schreiben“. Die beiden Teilausdrücke bilden hier also kein gemeinsames Verb. Die Bedeutung ist auch eine andere: Es geht in c) nicht darum, ob etwas auseinander- oder zusammengeschrieben werden kann, sondern das man z.B. einen Text nicht gemeinsam schreiben kann – alleine aber schon (wegen der Uneinigkeit zwischen den Autoren o.ä.).

Ähnlich verhält es sich in Beispiel (2):

(2) a) *Deppen leer Zeichen
b) *Deppenleer Zeichen
c) *Deppen Leerzeichen
d) Deppenleerzeichen

Hier handelt es sich auf den ersten Blick um (atomar gesehen) drei Teilausdrücke: Deppen, leer und Zeichen. Tatsächlich sind bei der Bildung des Wortes aber nur zwei Teilausdrücke beteiligt, denn einer der Ausdrücke ist bereits ein Wort: Leerzeichen. Daraus wird im nächsten Schritt Deppenleerzeichen gebildet. Das zeigt die Eigenschaft des Deutschen, durch morphologische Bildung Teilausdrücke zu Wörtern zusammenzubauen (nicht: *zusammen zu bauen. Mit wem denn?). Und es zeigt auch, daß die Verantwortlichen für die Rechtschreibreform auch keinen blassen Schimmer haben, wie ihre Muttersprache (und damit die Orthographie als Abbildung der Sprache in Schrift) funktioniert. Das kann übrigens nicht oft genug betont werden!
2. Bindestrich

Der Bindestrich verbindet Teilausdrücke, trennt aber gleichzeitig wortintern die Teilausdrücke voneinander. Auf diese Weise kann man die interne Gliederung eines zusammengeschriebenen Wortes für den Leser deutlich machen und ggf. Mißverständnisse ausschließen.

(3) a) *Deppen-leer-Zeichen
b) *Deppenleer-Zeichen
c) Deppen-Leerzeichen

In (3) c) wird das Wort nochmal in die einzelnen Teilausdrücke aufgeschlüsselt, die das Wort bilden.

Noch ein Beispiel aus dem Tennis (nach Maas 2006):

(4) a) Damendoppelfehler
b) Damendoppel-Fehler (ein Fehler im Damendoppel, nicht im
Dameneinzelspiel)
c) Damen-Doppelfehler (ein Doppelfehler im Spiel der Damen, nicht ein
Einzelfehler)

3. Apostroph

Der Apostroph trennt Teile eines Wortes ab, die irgendwie dazugehören, aber doch nicht ganz:

(5) a) Sie hat es mir gesagt.
b) Sie hat’s mir gesagt.
c) *Sie hats mir gesagt.

Was in (5) b) abgetrennt wird, ist das Wort es aus a), das an hat klitisiert. Es ist phonologisch (lautlich) kein selbständiges Wort, braucht also ein „Wirtswort“, um mit ihm gemeinsam ein phonologisches Wort bilden zu können. In diesem Fall ist das Wirtswort hat.

Das sind die drei Wortschreibungs-Strategien, die wir im Deutschen haben.