Gestern kam ich von der Arbeit nachhause und fand unter der Hauseingangstür einen gelben Zettel, der durchgeschoben worden war. Werbung? Nein! Es war ein gelber Zettel von DHL Express mit einer „Urgent Message“, also einer dringenden Nachricht, an mich. Worum es ging, konnte ich mir schon denken, und die Rückseite bestätigte es mir. Ein Paket aus der Heimat (wohl meine Bücherkiste) hatte wohl seinen Weg zu mir gefunden, aber der Zustellversuch an mich war fehlgeschlagen. Unterzeichnet von: David.
Der ausführliche Text der „Urgent Message“ gab außerdem an, daß nur ein weiterer Zustellversuch stattfinden werde. Danach könne ich die Sendung von ihrem „Büro“ anholen. Da ich aber nicht unbedingt den langen Weg zum Flughafen ohne Auto zum Abholen eines 20-Kilo-Kartons auf mich nehmen wollte, rief ich die angegebene Telefonnummer an, um weitere Optionen zu erfragen.
Nein, man könne mir nicht sagen, ob der zweite Zustellversuch etwa zur gleichen Zeit stattfinden werde, sagte mir der freundliche Mann am anderen Ende. Aber ich könne eine E-Mail an die angegebene Adresse schreiben und darin eine alternative Zustelladresse angeben. Auch eine Lieferung an meinen Arbeitsplatz an der Uni sei überhaupt kein Problem.
Leider ist es das doch. Denn seit letzter Woche läuft der Unibetrieb wegen des Semesterendes und steigender Temperaturen (derzeit 28°, aber da sind bis Sommerende nach oben hin ja noch 12° offen) auf Halbzeit. Das heißt: ab 14h geht die hiesige Belegschaft, und die Türen der Gebäude werden verschlossen. Ohne Schlüsselkarte kommt dann niemand rein oder raus. DHL erst recht nicht.
Sei’s drum. Ich schrieb also eine E-Mail, ich würde brav zuhause bleiben, sie sollten ruhig noch einmal kommen und der Zusteller möge doch BITTE kurz auf meinem Handy anklingeln, falls die Türklingel nicht funktionieren sollte. Das war natürlich nur höflich ausgedrückt für: „Ich habe ernsthafte Zweifel, daß der Zusteller meine Türklingel finden wird.“ Denn praktischerweise ist KEINES der Klingelschilder an der Haustür in irgendeiner Weise beschriftet. Wozu auch? Dann wäre der Alltag ja viel langweiliger.
Jetzt sitze ich also zuhause in meiner sich langsam aufheizenden Wohnung und arbeite von hier aus. Warten auf Godot David. In alten Zeiten hätte ich gesagt: „Wetten, daß……. es nicht klappen wird?“ Heute füge ich dieser Zeile nur ein „Na und?“ hinzu. Sind das schon Anzeichen einer beginnenden Assimilation?
Wohl noch nicht. Mir fielen im Text der Zustellnachricht nämlich ein paar haarsträubende Fehler auf. Da sind email (Zeile 5) und parcel (Zeile 8 ) ohne Artikel. Und im letzten Vorkommen des Wortes attempt fehlt sogar das letzte t (Zeile 8 ). Schlamperei!
Das wirft Fragen auf…. Läßt das Englisch der Malteser nach, obwohl es doch die zweite offizielle Sprache ist? Hat die maltesische Ortographiereform von 2008 eine ähnlich verheerende Wirkung wie die deutsche Reform von 1992? Oder hat DHL den gleichen Übersetzer wie die Deutsche Bahn? Man weiß so wenig…
Nachtrag 28.6.2011: Die Übergabe des Pakets am 24.06. hat reibungslos funktioniert. 😀