Wahlen 2017

Hurra! Es gibt Wahlen auf Malta! Gewählt wird immer an einem Samstag, Stimmenauszählung ist am Sonntag darauf. Der Großteil der Wähler entscheidet sich üblicherweise zwischen den beiden größten Parteien, der konservativen Nationalist Party (PN) und der sozialdemokratischen Labour Party (PL). Alle anderen Parteien, auch die grüne Alternattiva Demokratika (AD), fallen bei den Nationalwahlen meist unter den Tisch.

Der heftige Wahlkampf sieht jedes Mal gleich aus. Neben den „offiziellen“ Plakaten mit dem Logo und Slogan der jeweiligen Partei gibt es nicht gekennzeichnete Plakate, mit denen die jeweils andere Seite – nach unseren Maßstäben in Deutschland zumindest – übel diffamiert wird. Immer schön unter die Gürtellinie. So laufen meist auch die politischen Diskussionen der Anhänger beider Parteien ab: man beschimpft sich und prügelt sich auch schon mal – nur mit den Argumenten hapert es. Die Parteienblöcke der Anhänger bleiben stabil und werden innerhalb der Familie auch immer an die nächste Generation weitervererbt. Wer ausschert, riskiert eine Familienspaltung.

Die letzte Wahl gab es erst vor vier Jahren. Damals gewann die PL das erste Mal seit 1998 gegen die PN. Die Freude darüber war groß bei Labour, hatten sich doch im Laufe der Jahre diverse Korruptionsvorwürfe gegen die Konservativen gehäuft. Stichwort „Panama Papers“. Dieses Jahr wurden die Wahlen von der Labour-Regierung unter Joseph Muscat ein Jahr früher als geplant ausgerufen, da sich seine Regierung in letzter Zeit ebenfalls diversen Korruptionsvorwürfen ausgesetzt sah. Stichwort „Panama Papers“, Bau-Boom im großen Stil, Verkauf der maltesischen Staatsbürgerschaft an ausländische Oligarchen usw. Alles nicht so einfach. Wer gewinnt, macht scheinbar letztendlich keinen Unterschied. Wer gewinnt, hört auch nicht den Argumenten der Gegenseite zu. Weil gewonnen ist gewonnen (und wenn es nur 52% sind). Für die wählende Bevölkerung auf dieser kleinen ausverkauften Insel stelle ich mir das ziemlich frustrierend vor.

Oberflächlich betrachtet aber gewinnen immer 52 Prozent der Bevölkerung mit „ihrer“ Partei gegen die anderen. Und dann wird erst einmal gefeiert. Schon während der ersten Hochrechnung am späten Vormittag setzen sich die ersten Autokorsos und Bühnenwagen mit DJs in Bewegung, fahren hupend, grölend und Feuerwerkskörper abschießend die Hauptstraßen entlang. Es klingt eher wie nach einer gewonnenen Fußball-WM als nach der Feier eines Wahlsiegs.

An all dem (also nicht nur am Lärm) stören sich eigentlich nur a) Ausländer (die nach einem geflügelten Wort hier sowieso am besten alle wieder „zurück in ihr Land“ gehen sollten), und b) diejenigen Einheimischen, die nach dem Uni-Abschluss sowieso meist panikartig das Land verlassen (das mit dem „Brain Drain“ bemerken hier nur wenige).

Das Ergebnis heute? Die Labour-Regierung wurde bestätigt. Die Party kann also weitergehen. Lauter, bitte!