Wir erinnern uns: Bis Ende Mai etwa gab es strikte Abstandsregeln in der Öffentlichkeit. Gruppen durften nicht mehr als 6 Personen haben, andererseits setzte es Strafzahlungen.
Jetzt sind wir wieder da, wo wir Ende April waren, bei über 250 aktiven Fällen. Innerhalb von 15 Tagen. Wie kam’s?
Schon Ende Mai fing die Disziplin (nicht nur in der Bevölkerung) an zu bröckeln. Abstandsregeln und Gruppengrößen wurden immer wieder nicht eingehalten. Selbst der Premierminister tönte, er werde jedem die Strafzahlung erlassen, der die Versammlungs- und Abstandsregeln verletze (https://www.independent.com.mt/articles/2020-05-31/local-news/Prime-Minister-wants-to-refund-fines-issued-for-Covid-19-breaches-depending-on-circumstances-6736223707)
Anfang Juni wurde beschlossen, die Gruppengrößenregelung aufzuheben und den Flughafen zum 1. Juli wieder zu öffnen. Es gehe um keinen Fall darum, wieder Massenveranstaltungen zuzulassen. Aber es sei wichtig, „unsere Unternehmen wieder am laufen zu haben“ (https://timesofmalta.com/articles/view/abela-press-conference-on-easing-of-covid-19-restrictions.795835)
Nach der Öffnung des Flughafens am 01.07.2020 antwortete die Tourismusministerin den erstaunten BBC-Reportern auf die Frage, wie Malta denn der Gefahr eingeschleppter Fälle aus riskanten Gegenden wie Großbritannien begegnen wolle, mit: “Äh… wir haben Protokolle…. äh…. wir werden außerdem die Temperaturen ankommender Touristen am Flughafen messen. äh…”
Dann kamen sie alle. In ein Land, das selbst auch schon seit Wochen wieder sorgloser geworden war. Die Regierung gab alle Teilnehmerbeschränkungen für Veranstaltungen auf… und – zack! – stiegen nach einer Sommerparty mit über 100 Leuten in einem großen Hotelkomplex nach 5 Tagen die Fallzahlen. Von 4 aktiven auf 12, dann auf 26, dann auf 46….
Daneben infizierten sich noch einige Menschen lustig auf einer Festa in Santa Venera. Und es hagelte Aufrufe des Gesundheitsministeriums, die Leute mögen sich doch bitte, bitte schnellstmöglich testen lassen – was schon bei der ersten Infektionswelle kaum erfolgreich war. Die meisten Idioten hier muss man mit Narkosegewehr niederstrecken, um sie zu testen.
Immerhin gingen von den 14 Fällen am 3. August fast niemand mit Symptomen zur Arbeit. Also 1-2 vielleicht schon, aber was soll da schon passieren…?
Ärzte befürchten übrigens, dass die tatsächlichen Zahlen viel höher sind, weil die Testkapazitäten hier doch etwas beschränkt sind. Wer einen Test braucht, muss 12-14 Tage warten. Das ist dann ein bisschen zu spät…
Wohl aufgrund der Streikdrohungen hiesiger Ärzte- und Pflegepersonalverbände hat sich die Regierung durchgerungen, zumindest wieder eine 50-Euro-Strafe einzuführen für das Nichttragen von Masken in Geschäften, öffentlichen Verkehrsmitteln und der Fähre nach Gozo.
Alle anschnallen, bitte!
Nachtrag, 07.08.2020, 12:51:
Die heute mittag bekanntgegebenen Neuinfektionen liegen bei 49. Damit ist unsere Gesamtzahl aktiver Fälle wieder bei 321 – ungefähr so viele wie am 10. April. Damit ist der ganze Erfolg vom Mai und Juni dahin. Aber wahrscheinlich sehe ich das nur zu eng.