Gegen 13h treffe ich Ray Fabri, der gerade von einer Besprechung mit den anderen Linguisten kommt. So treffe ich auch noch Albert Borg und Marie Azzopardi-Alexander, die ich noch von der allerersten Exkursion vor 5 Jahren kenne. Sie fragen mich gleich, um welches Thema es in dieser Arbeit geht und haben gleich Ideen, mit welchen Kollegen ich unbedingt darüber sprechen soll. Auch Ray gibt mir gute Tips, wo ich nach Sprachmaterial suchen kann, welche Behörden und Archive nützlich sein könnten. Ich habe langsam ein schlechtes Gewissen, daß sich alle so lieb um mich kümmern.
Danach nehme ich den Bus nach Valletta. Dort wandle ich durch die Gassen und mache ein Foto nach dem anderen — vielleicht schaffe ich ja noch das perfekte Bild, das die engen dunklen Straßen mit den hohen Häusern und den vorgelagerten Mansarden wenigstens ansatzweise naturgetreu wiedergibt. Auf dem Weg zum War Memorial und den Upper Barakka Gardens mache ich den Fehler, die Straße vorsichtig zu überqueren. Prompt werde ich von einem Kutscher gestellt, der mich unbedingt auf einen Rundtrip mitnehmen will. Ich lehne dankend ab. Der schert sich aber nicht darum und fängt an, mir einen Vortrag über die Reiseroute zu halten, und überhaupt: „You speak English, I speak English… It’s not expensive.“ Wie soll ich dem guten Mann klarmachen, daß ich nicht einmal mitfahren würde, wenn die Reise kostenlos wäre, da ich die Ausbeutung der armen Pferde nicht unterstützen will, und daß ich ein leidenschaftlicher Fußgänger bin, der sich seine Umwelt lieber erläuft? Also lasse ich es lieber und lehne nochmals freundlich ab. Er ist beleidigt, daß ich sturer bin als er, läßt mich aber ziehen. Die Barakka Gardens sind so schön wie immer — ich setze mich eine Weile in den Schatten und genieße die Ruhe. Dann gehe ich quer durch die Stadt zurück und komme überraschend zur St. Paul’s Shipwreck Church — der Schiffbruchkirche des Heiligen Paulus also. Als ich die Fassade hochblicke und mich wundere, wie eine Kirche so versteckt in einer Häuserreihe stehen kann, kommt einer der Küster heraus. Er bugsiert mich freundlich hinein und stellt die Fehldiagnose: „Ah… you’re English?“ Ich wage nicht zu widersprechen und bekomme einen Zettel in die Hand gedrückt, der mich durch die Kirche führt. Schlau eingefädelt… Da die Kirche von innen aber so beeindruckend ist, soll es mir recht sein. 🙂 Von der Kirche setze ich meinen Weg zurück zum Eingang der Stadt fort. Noch eine kleine Rast in Café L’Academia, dann geht es mit dem Bus nach: Sliema!
In Sliema mache ich mich auf zum Fährhafen, um von dort aus das Foto von den Festungsmauern Vallettas und dem Meer zu machen, das jeder prototypisch mit Malta verbindet. Wenn alles klappt, wird das der Header für mein Blog. Die Zeit läuft davon, und ich merke, daß ich zu spät zum Abendessen kommen werde. Natürlich geht auch kein Bus mehr in Richtung San Gwann, und so nehme ich den nach St. Julian’s und gehe von dort zu Fuß über den Berg. Trotz Karte verlaufe ich mich einige Male (ob ich meinen Orientierungssinn durch schleichende Dehydrierung verloren habe?). Aber um 20h erreiche ich schließlich mein inzwischen trautes Heim.
— FORTSETZUNG FOLGT —
2 Gedanken zu „Tag zwo (20.09.07)“
Hey Jan,
ich lass dir mal einfach viele Grüße hier und freue mich auf weitere spannende Berichte 🙂 Finde übrigens gut, dass du lieber laufen wolltest – das sieht leider nicht jeder so…
Ich hoffe, du bist weiterhin erfolgreich
Liebe Grüße von
Caro
Hallo Jan
Tolles Bild im Header.
Gruß Tim
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