Samstag, 13.06.09

Und wieder geht’s nach Malta! Dieses Mal geht’s zur ersten Summer School of Maltese Linguistics. Ein guter Auffrischungskurs für meine aktiven Maltesischkenntnisse und eine gute Gelegenheit, mich mit den Fachleuten über Einzelprobleme auszutauschen.

Der Weg dorthin ist dieses Mal aber etwas beschwerlich: Nicht nur, daß ich wieder einmal mental bis zur letzten Minute mit ganz anderen Dingen beschäftigt bin (Stichwort „Umzug“ ). Auch die Zugfahrt zum Flughafen ist alles andere als ein Spaß. Meine Platzreservierung kommt mir eher wie eine Exklusiveinladung zu einer Freakshow vor. Anders kann man es nicht nennen, wenn einem im selben Großraumwaggon diese Menschen begegnen:

  • eine aggressive, morgens um 6.38h schon (noch?) mit einer Dose Heineken bewaffnete Frau, die ihre direkten Sitznachbarn anpöbelt, ständig rauchen will und eine gute Besetzung als Hexe in einem Grimmschen Märchenfilm wäre (zum Glück sitzt sie am anderen Ende des Wagons, wenn sie sitzt)
  • drei Personen (1m, 2f), die außer ihrem schrägen Outfit (eine Mischung aus Grunge und Mantafahrerästhetik) dadurch auffallen, daß sie nervige 1990er Technomusik über ein plärrendes Handy hören, jeden Bahnhof auf die Digitalkamera bannen und ununterbrochen lautstark labern, so daß man sich wie in einer FFN-Morningshow vorkommt (OK, sonst sind sie aber friedlich)
  • Hauptpreis zwei schnarchende ältere Herren, von denen einer auf meinem Platz sitzt und auch immer noch ratzt, als ich nach 90 Minuten (gefühlte 3 Stunden) am Zielbahnhof ankomme

Was suchen all diese Gestalten an diesem Morgen genau dem gleichen Waggon?? Hat man sie schon alle da hineingesetzt, damit im Rest des Zugs Ruhe ist? Ist der Prozentsatz dieser Gestalten an der Gesamtbevölkerung inzwischen auf ein derartiges Ausmaß gestiegen, daß das die Normalität ist? Oder bin ich wahnsinnig und weiß es bloß noch nicht? Die nun entstehende gefährliche Gedankenkette unterbreche ich damit, daß ich mir schnell die weißen Schnüre in die Ohren stecke, die passende Musik einschalte (Queens of the Stone Age mit „Sick, sick, sick“) und an gar nichts denke. Nein, so werde ich bestimmt kein Freund der Menschheit.

Wenigstens gestaltet sich der Flug reibungslos. Der besondere Trick hierbei war es wohl, eine Nicht-Billigfluglinie zu nehmen und weit im voraus zu buchen.

Und so bin ich gegen 13.30h wieder in vertrauten Gefilden. Nun ja… die Temperaturen sind mit 31°C schon höher als im Frühling oder Herbst! Kein Wunder, daß sich das (einheimische) Leben vor allem abends nach 20h abspielt. Das Lokal in Xemxija, in dem ich an dem Abend noch einen traditionellen maltesischen Teller zu mir nehme (natürlich ohne den Fleischkram, der in der Zusammenstellung des Tellers aber mengenmäßig erstaunlich wenig ausgemacht hätte), ist jedenfalls brechend voll.