Nachruf auf unseren zweiten Cockerspaniel

Frank, der zweite Cockerspaniel unserer Eltern, starb gestern nach 7 1/2 Jahren – im Alter von 11 oder 12. Niemand wusste sein genaues Alter.

Wir holten ihn 2010 aus einem Tierheim, wo er schon einige Jahre auf eine neue Familie wartete. Zu diesem Zeitpunkt war er schon durch drei (offensichtlich unfähige) Familien gegangen. Auf der Tür seiner „Gefängsniszelle“ standen seine Sünden. „Beißt Kinder“, hieß es unter anderem. Wenn ich nach Jahren mit Frank so zurückblicke, müssen diese Kinder richtige Blagen gewesen sein, die es nicht besser verdient hatten. Denn mit den Kindern meines nächstjüngeren Bruders war er immer sehr lieb und vorsichtig. Wenn ihm etwas nicht passte, ging er einfach.

Er war andererseits ein Psychopath anderen Hunden gegenüber. Er hatte keine sozialen Kompetenzen für seinesgleichen. Denn er kam aus einer Zuchtfabrik irgendwo in Osteuropa, wo man ihn zu früh von seinen Geschwistern und seiner Mutter getrennt und ihn am Rand einer Autobahn in Deutschland aus dem Kofferrraum verkauft hatte.

Oft beklagten sich meine Eltern über seinen wilden und unmöglichen Charakter. Vor allem eines Abends, als er in die Dunkelheit unseres Gartens hinausging… und wenig später mit blutverschmiertem Maul schmatzend, rülpsend und freudig wedelnd wieder ins Haus kam. Er hatte einen Fasan gestellt, getötet und verspeist.

Er war ein richtiger kleiner Tunichtgut. Aber er wusste es eben nicht besser. Und später, im Alter, wurde er ruhiger, müde, sehr dick und ein sehr anhänglicher Familienhund.

Ich bin froh, dass ich ihn noch ein letztes Mal sah, als ich im August meine Eltern in ihrem Österreichurlaub besuchte.

Ruhe in Frieden, du kleiner Gauner.