Nachruf auf einen Cockerspaniel

Heute vor einer Woche mußte unser Familienhund eingeschläfert werden.

Adonis von Burghof, genannt Adi, wurde am 13.2.1992 geboren und kam im Frühjahr 1992 in unsere Familie. Es war kein leichter Start ins Leben… Adi und seine Geschwister Athena, Amadeus und Arabella mußten per Kaiserschnitt in die Welt befördert werden, weil Adi (der älteste) quer lag und allen den Weg versperrte. Das Sich-Querlegen war auch später noch oft eine seiner Charaktereigenschaften.

Als der „Familienrat“ der Joachimsens über die Anschaffung dieses Hundes diskutierte, war ich der einzige, der gegen ihn stimmte — wohlwissend, daß die ganze mit dem Tier verbundene Arbeit an unserer Mutter hängen bleiben würde. Und so war es dann auch. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, daß dieses Tier in ziemlich kurzer Zeit auch mich um die Pfote gewickelt hatte. Wenn ich ihn als „Köter“ bezeichnete, so war das mein derber Kosename für ihn.

Die erste Zeit mit Hund war ein Lernprozeß auf beiden Seiten. Er lernte, daß man nicht alles auseinandernehmen darf, das sich gut zerreißen oder zerpflücken läßt. Wir lernten, daß, wenn er uns morgens am Hosenbein zerrte und schüttelte, dies keine „Cockerwut“ war (der oft beschriebene „Jähzorn“ der roten Cockerrüden), sondern einfach sein ungebändigter Spieltrieb. Dieser kam uns vier Jungs (die älteren von uns gerade erst Teenager, der jüngste noch kurz davor) sehr entgegen, und so tobten wir gerne mit ihm herum. Auch die erst ungeliebten Bergwanderungen im Urlaub wurden durch Adi erst zu einem Erlebnis, wenn er sich kaum an der Leine halten ließ, weil er wieder einmal ein Murmeltier entdeckt hatte…

Adi, ca. 5 Monate alt

Auch kulturell gab es Anknüpfungspunkte: Adi liebte klassische Musik und sang gerne zu den CDs mit, die unsere Mutter ab und zu spielte. Auch suchte er gezielt unsere Zimmer auf, wenn wir unsere Musikinstrumente übten — sei es Geige, Cello… oder Horn.

Eine andere Marotte von Adi war es in diesen Tagen, sich irgendein Wollknäuel oder Socken von uns „auszuleihen“ und sich damit unter den Eßtisch zu verziehen, wo er den Gegenstand knurrend bewachte. Wir ließen ihm diese Flausen, und vielleicht ist das auch der Grund, warum er sich so wohl bei uns fühlte. Man mußte sich eben auf so ein Tier einstellen. Reisen wurden grundsätzlich nur mit ihm unternommen, und dann auch nur dorthin, wo er Hund sein konnte, also viel Natur für ausgedehnte Spaziergänge hatte. So wurden Städtereisen zunächst eingeschränkt und schließlich ganz aufgegeben. In Städten litt er immer sehr, denn er war so stubenrein, daß er sich sogar weigerte, Betonflächen zu „besudeln“.

Im Alter wurde er schließlich taub (unserer letzte gemeinsame Jamsession am Klavier hatten wir 2004), immer schläfriger und sehr altersmilde. Letzteres machte es auch schwer, sich gedanklich mit seinem voraussehbaren Ende auseinanderzusetzen. Ich hatte ja insgeheim gehofft, er würde mit dem Alter bösartig und abstoßend werden. Das Gegenteil war der Fall.

Siesta unter der Gardine

In den letzten zwei Jahren alterte er schneller. Gleichzeitig brach bei ihm hier und da der Krebs in Form von Warzen aus (wie es wohl bei den meisten reinrassigen Hunden der Fall ist). Trotzdem war er bis vor kurzem schmerzfrei und nicht so schlecht beieinander, daß man ihn hätte einschläfern müssen. Die für einen Cocker schon sprichwörtliche Lust am Fressen hatte er jedenfalls immer noch. Dienstag vor einer Woche fuhr er mit meinen Eltern in den Urlaub nach Österreich. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag verschlechterte sich sein Zustand schlagartig, so daß Donnerstag morgen die letzte Fahrt zum Tierarzt angetreten werden mußte. Obwohl ich eigentlich schon seit einigen Wochen täglich damit gerechnet hatte, erwischte mich die Nachricht von Adis Tod doch eiskalt — einen Tag später, auf dem Weg zur Arbeit.

Adi wurde stolze 16 Jahre alt. Er überlebte den Rest seiner Hundefamilie und all seine Freunde und Feinde. Er begleitete meine Brüder und mich vom Kinder- ins Erwachsenenalter (meine Eltern vom Arbeits- ins Rentenalter).

Er wird uns fehlen.

Letztes Foto, 2.11.2008

Ein Gedanke zu „Nachruf auf einen Cockerspaniel

Die Kommentare sind geschlossen.