Mord an einer Journalistin

Vorgestern (am 16.10.2017) wurde die maltesische Journalistin/Bloggerin Daphne Caruana Galizia mit einer Autobombe getötet. Es ist alles noch undurchsichtig und ziemlich verwirrt.

Ich versuche zu verstehen, was passiert ist.

Zunächst einmal erinnere ich mich daran, dass in den letzten sechs Jahren auf dieser Insel jedes Jahr mindestens eine Autobombe hochgegangen ist, mit denen sich die hiesigen und zugezogenen Gangster (Sizilien ist ja nicht weit entfernt) gegenseitig ausschalteten. Aber der Mord (nur so kann man es nennen) an einer Journalistin (!) ist neu.

Der Name Daphne Caruana Galizia war mir schon länger bekannt. Sie schrieb für eine Zeitung (The Malta Independent, wenn ich richtig informiert bin), war aber auch „freiberuflich“ in ihrem eigenen Blog unterwegs. Sie war wegen ihres oft wenig reservierten Tons umstritten, was ich beim Lesen ihres Blogs durchaus nachvollziehen konnte, und weshalb ich sie zunächst auch eher als Bloggerin denn als Journalistin empfand. Aber unabhängig davon – so ein Ende ist inakzeptabel.

Nun denke ich aber an die letzte Wahl zurück… Bereits vor den Wahlen war das Klima hier in Malta immer aufgeheizter geworden. Wir erinnern uns: zwischen den Anhängern der zwei größten Parteien, der italienischen und englischen Fußballmanschaft usw. gibt es nur ein Schwarzweißdenken. Und die sich gegenüberstehenden Seiten bekämpfen sich nicht nur mit Worten, sondern auch in aller Öffentlichkeit mit den Fäusten. Es ist offener Hass, der die Gegenseite am liebsten ausmerzen würde.

Die letzte Wahl wurde ein Jahr vorverlegt, nachdem sich der Premierminister und seine engsten Mitarbeiter der Labour Partei (wie schon die vorherige Regierung der Nationalistischen Partei) im Sog des Panama-Papers-Skandals wiederfanden. Und die Person, die diese Verwicklung aufdeckte und in Malta publik machte war – Daphne Caruana Galizia.

Es ist zu früh, um jetzt schon Rückschlüsse auf die Drahtzieher hinter dem Bombenanschlag zu ziehen. Aber es gibt hinterlässt einen üblen Beigeschmack.

Heute morgen kam ich an den Überresten der vorabendlichen Mahnwache am Love Sign in St Julians vorbei. Es war eine beträchtliche Menschenmenge versammelt. Das ist immerhin ein Lichtblick.