Maltesisch (kleiner Überblick)

Kommen wir nun zum Maltesischen. Maltesisch ist eine semitische Sprache und hat sich seit dem 9. Jahrhundert aus dem (maghrebinischen) Arabischen entwickelt. Ab dem 12. Jahrhundert findet ein starker Einfluß durch das Sizilianische und Italienische statt, ab dem 19. Jahrhundert durch das Englische. Das hinterläßt Spuren (nicht nur) im Lexikon, dem Wortschatz der Sprache. Das maltesische Lexikon besteht aus drei Komponenten:

  1. einer arabischen,
  2. einer romanischen und
  3. einer englischen.

Die arabische Komponenten zeichnet sich dadurch aus, daß die dort gespeicherten Lexeme nach semitischer Manier in einer drei- bis vierradikaligen Wurzel vorliegen (die Radikalen sind die Wurzelkonsonanten, die das Gerüst für das lexikalische Wort bilden), z.B. °k t b° für alles, was mit schreiben zu tun hat. Daraus werden dann grammatische Wörter gebildet wie nikteb „ich schreibe“, ktibt „ich habe geschrieben“, jiktbu „sie schreiben“, kitba „Schreibung“, ktieb „Buch“, kittieb „Schreiber“ usw.

In Sprachen wie dem Deutschen, die eine stammbasierte Morphologie haben, steht der Wortstamm schreib- im Lexikon. Daraus können dann auch alle möglichen grammatischen Wörter gebildet werden: schreibe, schreibst, schreibt, Schreiber, Geschriebenes usw. Genau so sind auch die Lexeme der romanischen und englischen Komponente des Maltesischen gespeichert, als Stämme: rejnkowt „Regenmantel“ moviment „Bewegung“, karozza „Auto“, kompjuter „Computer“ usw.

Diese unterschiedliche Morphologie (= Wortbau) der semitischen Komponente einerseits und der indoeuropäischen Komponente andererseits führt zu Konflikten, wo die indoeuropäischen Lehnwörter ins maltesische Paradigma eingefügt werden müssen. Lehnwörter, die Nomina sind, sind weniger problematisch, da es im Maltesischen Pluralbildungen gibt, die sich nicht mit der indoeuropäischen stammbasierten Morphologie „beißen“, da an den bestehenden Stamm nur etwas angefügt, der Stamm aber nicht intern verändert wird. Beispiele dafür: furnar „Bäcker“, furnara „Bäcker (Pl.)“, ġimgħa „Woche“, ġimgħat „Wochen“, żmien „Zeit(-alter)“ żminijiet „Zeiten“ usw.

Diese Pluralendungen können auch an Lehnwörter antreten: missier „Vater“, missierijiet „Väter“, tim „Team“, timijiet „Teams. Oft wurde sogar die Pluralendung der ursprünglichen Sprache mitübernommen (-i für romanische Nomina, -s für englische Nomina) : rejnkowts, kompjuters, karrozzi, movimenti.

Daneben gibt es aber noch eine interne Veränderung, der sogenannte „gebrochene“ Plural. Er wird vor allem bei Wörtern der arabischen Komponente angewandt (ktieb „Buch“, kotba „Bücher“, raġel „Mann“, irġiel „Männer“), aber auch bei in älterer Zeit entlehnten Wörtern, wie flixkun „Flasche“, fliexken „Flaschen“, kamra „Zimmer“, kmamar „Zimmer (Pl.)“. Bei englischen Lehnwörtern (die also in neuerer Zeit übernommen wurden), fand diese Integration ins maltesische Paradigma nicht mehr statt. Obwohl es im Maltesischen der australischen Diaspora (dem „Maltraljan“) solche Fälle gibt, vgl. fens „Zaun“ (von engl. fence) und fnies „Zäune“.

Bei den Verben wird es schon schwieriger, da hier nur intern flektiert wird. Als Beispiel hier alle Formen des Verbs für „schreiben“:

Imperfektiv

sg. 1. nikteb „ich schreibe“
2. tikteb „du schreibst“
3.m. jikteb „er schreibt“
3.f. tikteb „sie schreibt“
pl 1. niktbu „wir schreiben“
2. tiktbu „ihr schreibt“
3. jiktbu „sie schreiben“

Perfektiv

sg. 1. ktibt „ich schrieb“
2. ktibt „du schriebst“
3.m. kiteb „er schrieb“
3.f. kitbet „sie schrieb“
pl 1. ktibna „wir schrieben“
2. ktibtu „ihr schriebt“
3. kitbu „sie schrieben“

In das Verbparadigma des Maltesischen können Fremdverben nur dann eingepaßt werden, wenn sie drei oder vier Konsonanten haben. Sind sie größer, können sie nicht wie arabische Verben behandelt werden und müssen mit einem kleinen Trick ins maltesische Paradigma eingebaut werden:

Im Maltesischen gibt es auch „schwache Verben“. Aber „schwach“ bedeutet hier: Verben mit Wurzeln, in denen ein Radikal von einem schwachen Konsonanten gestellt wird. Das kann ein Halbkonsonant (j oder w) oder ein sein (daß meist stumm ist). In Fällen, in denen der letzte Radikal so ein schwacher Konsonant ist, ergibt sich folgendes Paradigma (hier mit dem Halbkonsonanten j ):

Imperfektiv

sg. 1. nibni „ich baue“
2. tibni „du baust“
3.m. jibni „er baut“
3.f. tibni „sie baut“
pl 1. nibnu „wir bauen“
2. tibnu „ihr baut“
3. jibnu „sie bauen“

Perfektiv

sg. 1. bnejt „ich baute“
2. bnejt „du bautest“
3.m. bena „er baute“
3.f. bniet „sie baute“
pl 1. bnejna „wir bauten“
2. bnejtu „ihr bautet“
3. bnew „sie bauten“

Der Clou ist hier nun, daß diese schwachen Verben wie Verben des indoeuropäischen Musters „Stamm + Endung“ behandelt werden können (wobei bena bzw. bn der Stamm wäre und -ejt, -ejna … die Endungen. Folglich kann man hier auch alle romanischen und englischen Verben einfügen, die sonst nicht ins semitische Paradigma passen würden. Hier ein Beispiel mit dem maltesischen Verb für „tauchen“, das vom englischen to dive abgeleitet wurde:

Imperfektiv

sg. 1. niddajvja „ich tauche“
2. tiddajvja „du tauchst“
3.m. jiddajvja „er taucht“
3.f. tiddajvja „sie taucht“
pl 1. niddajvjaw „wir tauchen“
2. tiddajvjaw „ihr taucht“
3. jiddajvjaw „sie tauchen“

Perfektiv

sg. 1. iddajvjajt „ich tauchte“
2. iddajvjajt „du tauchtest“
3.m. iddajvja „er tauchte“
3.f. iddajvjat „sie tauchte“
pl 1. iddajvjajna „wir tauchten“
2. iddajvjajtu „ihr tauchtet“
3. iddajvjaw „sie tauchten“

Das sollte als kurzer Überblick reichen. Das nächste Mal werde ich auf Basis des Eintrags „Was ist ein Wort?“ die Wortebenen des Maltesischen auseinanderpflücken.

2 Gedanken zu „Maltesisch (kleiner Überblick)

  1. „°k t b° für alles, was mit schreiben zu tun hat.“ – Das klingt wirklich ganz anders, als man es aus Sprachen wie Englisch oder Französisch gewohnt ist. Ist das in den meisten arabischen Sprachen so?

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