An der Bushaltestelle in der Nähe meiner Wohnung gibt es eine zum Büro aufgewertete Garage. Auf die darin untergebrachte Firma verweist ein Schild mit dilettantisch gestaltetem Logo: irgendetwas mit Eurodings und dem Zusatz „financial services“, also ein Finanzdienstleister.
Und werktags bietet sich Morgen für Morgen dasselbe groteske Schauspiel: derselbe Jaguar, dasselbe Motorrad, derselbe Motorroller. Nach kurzer Zeit kommen nacheinander die jeweiligen Besitzer der Fahrzeuge raus. Verschlagene Gesichter wie aus einem Gangster-Cartoon. Sie schauen sich verstohlen um. Mustern die Wartenden an der Haltestelle misstrauisch, so als hätten diese kein Recht, dort auf den Bus zu warten. Sie stecken weiße Briefumschläge in die Tasche und fahren weg.
Zwischendurch öffnet sich oben die Balkontür, und ein hagerer Angestellter, so um die Ende 50, steckt den Kopf heraus, um zu rauchen. Auch er mustert die unten Wartenden mit einem Blick aus Misstrauen und Verachtung. So ähnlich, wie man sich missgünstige Blicke von verheirateten Männern einfängt, die gerade aus einem Bordell rauskommen und die unschuldigen Passanten für ihre Fehltritte verantwortlich machen.
Jeden Tag dieselbe Szene und dieselben vier verschlagenen Gaunergesichter, die dort Finanzdienste in Anspruch nehmen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt – gerade im Licht der Panama-Papers und angesichts einer ermordeten Journalistin, die diesen Dingen nachging.