Letzter Tag (08.10.07)

Heute ist mein letzter Tag.

Und ich bin bereits um 5.30 aus dem Schlaf gerissen worden — und zwar nicht von meinem Wecker, sondern von einem Autoalarm, der bereits seit einer Woche abends und nachts mit einer ziemlichen Regelmäßigkeit (alle 30 Minuten) losgeht. Auslöser sind meist vorbeiwummernde Laster, sportwagenfahrende Frustratten, die immer so dröhnend Gas geben (wohl zur Kompensierung typischer Freudscher Komplexe), oder auch einfach nur eine zu lang anhaltende Stille. Langsam hege ich Mordgedanken gegen die Besitzer der Alarmanlagen. Wäre ich noch eine Woche länger hier, würde ich wahrscheinlich herumgehen und Feuer legen. Damit sich das mit dem Alarm auch richtig lohnt. Oh, es scheint, als assimilierte ich mich langsam an die Mentalität hier.

Weitere Anzeichen dafür sind, daß ich von dieser Welt aus Stein (kein Gras, keine Wiesen, nur vereinzelt Bäume) nicht mehr depressiv werde, sondern die Insel einfach so nehme, wie sie ist. Auch kommen mir die Busfahrer gar nicht mehr so mürrisch vor. Kein einziges Mal hatte ich Probleme mit dieser Spezies — bekam sogar auch immer Wechselgeld, wenn ich es einmal nicht passend hatte. Hm… da muß ich doch einmal meine Mitmenschen zuhause fragen, ob ich mich verändert habe.

Wissenschaftliches Fazit: Ich habe den Mitschnitt einer Parlamentssitzung, zwei Radiosendungen und zwei eigene Tonaufnahmen von Sprechern des Maltesischen. Wäre ich so impertinent wie ein Mitarbeiter der Bildzeitung, wären es sicher mehr. Aber ich kann ja an mir arbeiten. 😉 Die Analyse des ganzen beginnt dann sofort nach meiner Rückkehr. Ich bin zuversichtlich, daß mich die Daten dem phonologischen Wort im Maltesischen ein Stück weitergebracht haben. Daneben haben meine aktiven Maltesischkenntnisse einen Sprung nach vorne gemacht. Das Sprechen ist flüssiger geworden.

Jetzt geht es das letzte Mal in die Linguistikabteilung der Uni hier. Heute nachmittag werden Koffer gepackt. Und wenn es die Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG gut mit mir meinen, bin ich morgen abend um 20:00 Uhr wieder zuhause.

Das war’s von meiner zweiten Maltareise. Ich sag zum Abschied leise: „Saħħa.“

ENDE