Mit den Worten „… damit ich mich bald wieder so sicher wie vor 5 Jahren bewegen kann …“ schloß ich den vorherigen Blogeintrag. Die Ironie dieses Vorsatzes wird mir erst wieder im weiteren Verlauf des Tages bewußt. Aber eines nach dem anderen:
Nachdem ich den Internetraum verlassen habe, gehe ich in den nächsten Bücherladen. Leider ist der Maltesischkurs „Merħba bik“ bereits vergriffen. Da werde ich wohl in anderen Läden nach Restexemplaren suchen müssen. Die angenehme Überraschung des Tages: „Der kleine Prinz“ ist tatsächlich auch schon ins Maltesische uebersetzt worden! Keine Frage, daß ich mir das Buch sofort zulege. Dann besorge ich noch einen Straßenatlas von Malta (und Gozo), um mich im Straßengewirr der Insel besser zurechtzufinden. Die Betonung liegt auf „besser“, weil ein vollständiges Verstehen dieses Straßennetzes für Ausländer wohl unmöglich sein dürfte.
Für mich als Fußgänger gibt es dann auch noch eine wichtige Zusatzinformation. Auf die Frage, wie ich denn als Fußgänger am besten zurück nach San Ġwann komme, nennt die Verkäuferin mir eine längere und eine kürzere Alternative, empfielt mir aber nachdrücklich die längere — „if you want to stay alive.“ Autofahrer führen hier wie die Beserker, und da Gehwege eher selten seien, sei man als Fußgänger in ständiger Lebensgefahr. Gut, daß ich das in dieser Deutlichkeit nicht schon vor fünf Jahren gehört habe. Sonst wäre ich bei dem täglichen Fußweg zur Uni nicht so ruhig gewesen. An dieser Stelle herzliche Grüße an meine damaligen „Mitstreiter“ Andrea, Eva und Leo! 🙂
Trotzdem siegt meine Sturheit, und ich nehme mit Hilfe der Karte einen Weg, der fast schon der Luftlinie entspricht. Er führt mich vom westlichen Ende der Uni durch eine Art botanischen Garten, dann steil bergauf durch eine Siedlung. Oben angekommen verirre ich mich in einem Gassengewirr, dessen Namen ich auf der Karte nicht finde. Ein älterer Herr gibt mir eine kurze und präzise Wegbeschreibung im so charmanten maltesischen Englisch, und kurze Zeit später stehe ich tatsächlich wieder vor meiner Haustür. Na bitte, geht doch! Warum auch 20 Minuten um den Berg fahren, wenn man es in 10 zu Fuß schaffen kann?
Den Rest des Tages verbringe ich mit dem Lernen von Vokabeln. Auf daß ich „Iċ-Ċkejken Prinċep“ eines Tages fließend ohne Wörterbuch lesen kann…