Ach, wie doch die Zeit vergeht! Meinen letzten Beitrag schrieb ich am 29.07.2011, als ich vor Hitze und Wut schwitzend meinem Ärger über Arriva Luft machte. Und den Entwurf für diesen Beitrag begann ich am 18. April 2012. Das ist auch schon wieder fast drei Jahre her.
Seitdem ist viel passiert. Einiges wäre berichtenswert, anderes weniger. Ich konnte mich nur nicht aufraffen, es in die Welt hinauszuposaunen. Das wichtigste sei hier zusammengefaßt:
Inzwischen ist das METANET4U-Projekt an der Uni Malta zuende — und damit eine abwechslungsreiche Zeit mit vielen Deadlines, Streß- und Erholungsphasen, dem Schreiben vieler Berichte, Aufsätze und Präsentationen und dem Reisen zu Konferenzen in Athen, Hamburg und Istanbul. Das alles passierte zwischen Mai 2011 und Februar 2013 — kaum zu fassen, was sich alles in knapp zwei Jahre stecken läßt.
Nach Ende des Projekts ging ich zu einer Internetfirma — was eine interessante Abwechslung war. Vieles von dem, was ich im Computerlinguistikprojekt gelernt habe, konnte und kann ich dort anwenden. Vieles nicht. Aber man lernt ja immer dazu. 😉
Und sonst? Tja… Hatte ich in den ersten Monaten 2011 noch eine ziemliche Durststrecke (keine Irish-Folk-Session, kaum Livemusik), so fand ich dann per Zufall doch Kontakt zu Musikern und tauchte immer mehr in die lokale Szene ein. Jetzt spiele ich in einer Jazzformation („Swing Manouche“), einer Rockband („Critical Mass“) und ab und zu auf einer Irish-Folk-Session (die seit 2014 sogar einen festen Session-Termin in einem Pub in Buġibba hat). Über das Musikmachen habe ich hier viele Menschen kennengelernt und auch einige gute Freundschaften geschlossen. Wunderbar! 🙂
Was das Leben ganz allgemein auf dieser Insel betrifft, wäre es jetzt wohl an der Zeit, an meine „Langzeitstudie“ zu denken, die ich im ersten Blogeintrag nach meinem Umzug nach Malta angestoßen hatte. Damals stellte ich den Vergleich her zu bemannten Weltraummissionen, „wo man testet, wie lange die Astronauten z.B. auf der ISS ausharren können, bis sie den Verstand verlieren oder die Knochen zerfallen. Oder beides.“
Nun, die Knochen sind mir bisher nicht zerfallen. Meinen Verstand habe ich auch noch nicht verloren. Obwohl es gerade für letzteres in meinen vier Jahren hier genügend Anlässe gab. Denn seitdem ich auf Malta lebe, weiß ich: Monty Python’s Flying Circus ist kein Phantasieprodukt. Es ist die Wirklichkeit. Hier und heute und bis in alle Ewigkeit. Ich habe Dialoge wie im Sketch mit dem toten Papagei und dem Käsegeschäft nicht nur miterlebt, nein: ich habe sie geführt. Und bin letztendlich genauso gescheitert wie die Figuren von John Cleese, die verzweifelt versuchen, sich auf ein Mindestmaß von Konventionen verlassen zu können. Es gibt keine Konventionen. Man kann sich auf nichts verlassen. Wer glaubt, in einem Käseladen Käse kaufen zu können, ist ein Idiot. Wer glaubt, der Waschmaschinentechniker, der endlich einmal zur verabredeten Zeit auftaucht, würde die Waschmaschine zum Laufen bringen, ist ein Idiot. Man braucht für alles nicht nur einen Plan B, sondern kann gleich das ganze Alphabet mit Plänen zupflastern. Und auch dann muß man mit dem Schlimmsten rechnen.
Aber das macht nichts. Denn ich habe gelernt: wenn man losläßt von allem, was man früher einmal vorausgesetzt hat, dann erreicht man eine völlig neue Dimension der Gelassenheit. Dann ist man „entkoppelt“ von all dem Wahnsinn um einen herum.
Einige dieser selbst erlebten Wahnsinnsepisoden werde ich nun in loser Folge auf die geneigten Leser loslassen. Viel Spaß!