Wieder bin ich gut in San Ġwann angekommen. Das Wetter ist (den Vorhersagen zum Trotz) sonnig, aber etwas kühler als letzten September (es gab gestern noch Regen). Der Flug war nicht so spektakulär wie vorletztes Mal, die Abflughalle roch weniger nach Diesel als letztes Mal (lag wohl an meiner verschnupften Nase), aber die anderen Passagiere waren genauso nervig wie immer. Gut so — der Zwangsneurotiker in mir braucht eine gewisse Konstante.
Aber es ist schon bemerkenswert… die Passagiere des ersten Flugs dieses Morgens von Gate E 3 sind kaum aufs Flugfeld hinausgetorkelt, da schieben sich schon Horden von Schafen Rindern Menschen vor, um als erster ins Flugzeug nach Malta einsteigen zu können. Diese panische Angst (wovor eigentlich? Davor, nicht mitgenommen zu werden?) kenne ich nur von unserem alten Cockerspaniel, der zur Urlaubszeit beim Einsteigen der Familie ins Fahrzeug sich immer vordrängeln mußte und jiffte und jammerte, bis er endlich als erster auf seinem (!) Platz saß und diesen knurrend verteidigte. Überlebenskampf also auch in Bremen. Dabei gibt es weder eine dringende Evakuation aus einem Kriegsgebiet, noch überhaupt irgendwelche Boarding-Aktivitäten für die nächste Stunde. Aber nein…
Nachdem sich alle so weit wie möglich nach vorne geschoben haben, stehen sie sich die Füße platt und die Beine in den Bauch. Manche starren mich und die drei anderen Wahnsinnigen an, die wir immer noch gelassen auf den Wartestühlen sitzen und darauf vertrauen, daß für jeden ein Sitzplatz im Flugzeug frei sein wird.
Als sich dann ab 6:15 h das Gate öffnet, schiebt sich die Masse erstaunlich gesittet vor, so daß ich irgendwann ans Ende der Schlange gehe (die vieeeeeeel länger ist, als ich erwartet hatte, aber siehe oben mein Vertrauen in die ausreichende Anzahl an Sitzplätzen). Erstaunlich ist, daß ca. ein Drittel der Passagiere zwei oder mehr Handgepäckstücke mit sich führt. Die müssen sie natürlich laut Vorschrift (wir einige von uns wissen: nur ein Handgepäckstück pro Person. Verflixt nochmal, fliegen die alle zum ersten Mal und haben die Boardingprozeduren nicht gelesen??) in die anderen Gepäckstücke einpacken. Was mindestens der Hälfte von ihnen kaum gelingt. Und wo unternehmen sie ihre Umpackversuche? Richtig: am besten in der Schlange und vor dem Gate. Bloß damit sie ihren Platz nicht aufgeben müssen. Manche gehen halbherzig zur Seite, weshalb hinter ihnen vorpreschende Schafe Rinder Menschen über (eigentlich gut sichtbare) Gepäckstücke stolpern. Ein Trauerspiel, für Freizeitzyniker aber sehr unterhaltsam. Aus meinem MP3-Player liefert unterdessen Pink Floyds „Sheep“ die musikalische Untermalung. Soll ich wirklich nächstes Mal 4 Euro für bevorzugte Behandlung beim Einsteigen zahlen, damit mir das entgeht? Nein!
Das Flugzeug ist seeeehr voll. Die ersten zwei Reihen sind wieder frei (wir erinnern uns: Starthilfe beim Abheben). Das Publikum skurril wie immer. Keine besonderen Vorkommnisse…
… außer daß mein Koffer, als er mir auf dem Fließband der Gepäckausgabe entgegenrollt, keinen Griff mehr hat. Dieser wird auch bis zum Stillstand des Gepäckbandes nicht einzeln nachgeliefert. Also schnell am Servicepoint ein Formular für Ryanair ausgefüllt, das ich entweder denen innerhalb von drei Tagen faxen muß (also aus Malta). Oder ich gebe es meiner Versicherung — was bei einem Koffer, der älter als ich ist, lächerlich erscheint. Aber egal. Schwund ist immer. Und Papier ist geduldig.
Nach einer wilden Taxifahrt bin ich gegen 10.30 in meinem maltesischen Zuhause, bei den Paces, wo ich Joe antreffe. Wir freuen uns. Wieder eine Konstante.
2 Gedanken zu „Ich bin wieder hier…“
Viel Spaß und gutes Arbeiten auf Malta.
Hey Jan,
schön, dass Du gut übergekommen bist! Ich freue mich wieder auf regelmässige Berichte und über diesen ersten als superguten Einstieg..
LG
Caro
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