Morgens zur besten Berufs-Rush-Hour warte ich eine halbe Ewigkeit auf einen Bus, der NICHT überfüllt einfach an der Haltestelle vorbeizischt.
Endlich kommt einer, hält direkt vor meiner Nase und öffnet die Tür.
Und schon konzentrieren sich die zuvor lose an der Haltestelle verteilten Menschen zu einem kompakten Mob, der sich mit Gewalt zwischen mich und den Bus quetscht und sich gleichzeitig durch die enge Einstiegstür drängelt.
Ich erwische eine kleine Lücke…. und sitze kurz nach dem Eingang fest. Natürlich hat niemand der Deppen vor mir eine elektronische Karte, mit der man sich durch kurzen Kontakt an die Kasse eben schnell registrieren und nach einem Piepston schnell weitergehen und sich hinsetzen könnte. Nein! ALLE müssen sich ein Ticket kaufen. Und NIEMAND hat das passende Kleingeld. Dem Busfahrer geht langsam das Wechselgelt aus – und mir die Geduld.
Als endlich alle ein Ticket haben, geht es nur kurz weiter. Dann stockt die Menge erneut. Denn nachdem alle Sitze der vorderen Hälfte besetzt sind, bleibt der Rest des Mobs im Gang stehen. Ich spüre ihre Angst. So große Angst davor, einfach nach hinten durchzugehen und sich auf die Sitze im letzten Viertel des Busses zu verteilen.
Ich strecke mich kurz und schaue ans Ende des Gangs. Da wäre noch Platz für mindestens 15 Leute. Ich versuche Augenkontakt herzustellen, um an der entsetzten Menge vorbeizukommen. Keine Chance. Sie sind zu beschäftigt damit, wegzuschauen. Mit einem Blick so leer, dass man blind wird, wenn man hinschaut. Verärgert schiebe ich mich durch und gelange ans Ende des Busses. Dort, wo es Platz und Entspannung gibt. Die verschüchterte Horde schaut kurz und schaut dann schnell wieder weg.
Arme Schweine.
Und ich denke mir angesichts solcher Stumpfheit: „‚Hochgradig verhaltensgestört‘ ist so eine Diagnose, die man häufiger seinen Mitmenschen ausstellen sollte, um sich vor ihnen zu schützen.“