Der erste Regen (22.09.07)

Ich bin an diesem Vormittag (wieder einmal) in Valletta. Dieses Mal, um das Buch „Fuq l-Għatba tal-Malti“ zu erstehen, das es nur in bestimmten Buchgeschäften gibt (wie das mit Publikationen der EU so ist). Dann gehe ich zu den Lower Barakka Gardens, suche mir ein ruhiges Plätzchen und lerne Vokabeln. Nach etwa einer Stunde fällt mir ein Tropfen in den Nacken. Ich sehe auf und bemerke die dunklen Wolken, die von der See hereinkommen. Es ist also soweit — der erste Regen seit meiner Ankunft zieht auf. Schnell die Sachen gepackt und fluchtartig den Weg in die Innenstadt angetreten. Wenn es erst einmal richtig regnet, steht man ab besten unter einem riesigen Torbogen oder hält sich in einem der Cafes auf. Denn die Regentropfen hier sind riesig, nicht so ein Nieselkram wie in Osnabrück.

Die nächste Stunde passiert aber nichts. Dabei wollte ich doch so schlau sein und den Regenschauer abwarten, bevor ich den Heimweg antrete. An eine Besichtigung der Stadt Mdina ist bei dem unsicheren Wetter ohnehin nicht zu denken. Nun denn — Vokabeln kann man auch im Café üben. Kaum sind ich und mein Milchkaffee ins Pauken vertieft, da paukt es auch schon von der Straße her. Ein fahrender — darf man das „Künstler“ nennen?– Mensch kommt mit einem Lochstreifenorchester vorbei, das er schon den Vormittag über mit einem Hilfsmotor die Triq ir-Repubblika entlanggezogen hat. Nun macht er vor dem Café Station und traktiert die Gäste mit Zirkusmusikversionen von Top-Ten-Hits, die bereits zu ihrer Zeit nervtötend waren. Aber damit nicht genug — er preist in 6 Sprachen an, daß seine Höllenmaschine aus den 1920er Jahren kommt, und macht sich mit seiner Spendenbüchse daran, nach und nach die hilflosen Cafébesucher (wer will schon durch seine panikartige Flucht die Zeche prellen und so kriminell werden?) heimzusuchen. Ich packe schnell meine Sachen, stürze mein Getränk schnell herunter und schaffe es gerade noch rechtzeitig, zu zahlen und zu verschwinden, bevor der fahrende Gaukler mich erreicht.

Als ich kopfschüttelnd in Richtung der Busse gehe, denke ich noch einmal über diese perfide Geschäftsidee nach: Die Sinne mit mit einer Dienstleitung „beglücken“, die keiner bestellt hat, und dann abkassieren. Nicht schlecht. Was könnte man außer dem Gehörsinn noch „bedienen“? Den Geruchssinn zum Beispiel. Ich könnte mit einem Wagen voller Parfümflakons durch die Straßen ziehen und für diese Wohlgerüche nach einer „milden Spende“ verlangen. Wenn nicht gespurt wird, Gülleventil auf. Kein schlechter Plan, aber noch habe ich andere Möglichkeiten, meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Schon bin ich im nächsten Bus nach Hause. Ich erreiche gerade die Wohnungstür, da geht der Regen los. Endlich mal ein gutes Timing… Die nächsten vier Stunden verbringe ich mit Vokabelnlernen. Meine Quote dieses Tages: 41 neue maltesische Wörter gelernt. Geht doch!

— FORTSETZUNG FOLGT —