"Arriva, arriva!"

Das ist der spöttische Ruf, der diese Tage auf der Insel ertönt, wann immer es mit dem Busservice nicht klappt. Wir erinnern uns: Am 3. Juli wurde der öffentliche Busverkehr Maltas komplett umgestellt. Die bisherigen Transportunternehmen hatten bei der Ausschreibung des Wettbewerbs für den Betrieb der Busse 2008/09 ihren Job an Arriva verloren. Diese Ausschreibung war übrigens EU-Vorschrift. Gut daran: So etwas wirkt gegen den alten Klüngel. Schlecht daran: So etwas kann von manch einem als Ausverkauf des kleinen Malta empfunden werden. Was auch so ein Thema für sich ist.

Und seit dem 3. Juli ist alles schlimmer als vorher. Bisher kommen nur die wenigsten Busse pünktlich. Nun gut, das taten sie vorher auch nicht. Aber soviel Verspätung und so viele Ausfälle hat es hier wohl noch nie gegeben wie seit einem Monat.

Vor zwei Tagen stand ich an der Haltestelle in Floriana und wartete auf einen Bus, der alle 20 Minuten vorbeikommen sollte. Nach 45 Minuten kam er…. und hielt nicht, weil er voll war — die Passagiere dicht gedrängt wie die Sardinen in der Dose. Zwanzig Minuten später wieder ein überfüllter Bus. Und wieder 30 Minuten später noch einmal. Nach insgesamt knapp zwei Stunden kam dann endlich „mein“ Bus, in den ich auch einsteigen konnte, auch wenn ich stehen mußte. Die Malteser an der Haltestelle quittierten fast jeden verspäteten und überfüllten Bus mit einem „Arriva! Arriva!“

Was ist hier eigentlich los? Warum schafft es ein internationales Unternehmen nicht, schnell ein vernünftiges System aufzubauen? Zugegeben — Arriva gehört zur Deutschen Bahn. Aber ist das allein der Grund für das Chaos? Naja, es gehören auch in dieser Geschichte zwei Seiten dazu.

Zuerst einmal tauchten am ersten Tag etwa 50 Busfahrer nicht zur Arbeit auf. Im Laufe der ersten Woche waren es etwa 180 Fahrer, die nicht zur Arbeit erschienen. Arriva mußte daraufhin zur Überbrückung 70 Fahrer aus dem Vereinten Königreich anheuern… und bekam die vielen Verspätungen immer noch nicht in den Griff. Tja.

Was brachte die ursprünglich vom alten System übernommenen Busfahrer dazu, auszusteigen? Sie waren gegen die neuen Schichten, die Arriva von ihnen wollte: Anstatt acht Stunden am Stück abzuarbeiten, dann nachhause zu fahren und einen zweiten Job ausüben zu können, sollten die Fahrer für Arriva das Schema „4 Stunden Arbeit, 4 Stunden Pause, 4 Stunden Arbeit“ einhalten. Damit wären sie an nur diesen Job gebunden gewesen, ohne sich das (wie ich hörte: lächerliche) Gehalt mit einem Nebenjob aufbessern zu können. Und man erzählt sich, daß diese Dinge in den Verträgen erst zwei Wochen vor der Aufnahme des neuen Betriebs enthalten waren. Sowas ist einfach… unprofessionell.

Was man als Fahrgast außerdem noch mitbekommt: nicht funktionierende Abfahrtstafeln, Klimaanlagen, die im „Antarktismodus“ laufen (sehr gesund, wenn man schwitzend von über 32 Grad Hitze reinkommt) und Staus, die es vorher nicht gab. Warum? Noch so eine unprofessionelle Sache: Geschickterweise hat man beim Bestellen der Busse wohl nicht darauf geachtet (oder einfach drauf gepfiffen), daß auf den engen Straßen Maltas eine gewisse Fahrzeugbreite nicht überschritten werden sollte. Wo also früher zwei sich begegnende Leyland-Busse im Abstand von fünf Zentimetern aneinander vorbeifahren konnten, geht z.B. mit den neuen Mercedes-Benz Citaro gar nichts mehr. Naja, andere große Busse gab’s hier in den letzten Jahren auch schon, z.B. die von King Kong Long (die wurden größtenteils türkis übermalt und übernommen). Aber die waren doch nicht auf der gleichen Strecke in entgegengesetzten Fahrtrichtungen unterwegs, verdammt!

Verzeihung. Ich wurde gerade etwas emotional bei all dieser Professionalität. Zu dem Thema Professionalität gibt es nämlich noch ein paar weitere nette Geschichten, die ich hier schon erleben durfte. Aber das, liebe Kinderinnen und Kinder, erzähle ich ein anderes Mal.

„Arriva, Arriva!“