Samstag, 29.3.08
10.00. Da bin ich wieder. Gleiche Gastfamilie, anderes Zimmer, anderes (weil angenehmeres) Wetter. Der Frühling gibt der Insel ein ganz anderes Gesicht. Schon bei der Landung lachte mich die grüne Vegetation an – kein Vergleich zu der tristen verbrannten Landschaft im Spätsommer/Herbst.
Doch der Reihe nach:
Der Weg hierher ist nicht ohne Hindernisse. Da der Flug Bremen um 6 Uhr verläßt, heißt es um 2 Uhr morgens aufstehen und um 3 Uhr fahren. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wäre das nicht möglich. Ein Toast auf meine Eltern!
4.30 Uhr. Der Check-in-Terminal von Ryan Air ist abseits der normalen Terminals in einer Art Fabrikhalle untergebracht, in der es nach Diesel (oder Kerosin?) riecht. Die will wohl keiner haben. Im weiteren Reiseverlauf ahne ich auch, warum.
Kurz die 50%-Chance strapaziert, ob ich mich wohl am richtigen Schalter zur Bordkartenausgabe anstelle. Natürlich ist es der falsche Schalter. Weiß der Kuckuck, warum da groß „Tickets“ geschrieben steht. Ich dachte, man könne eh nur online buchen. (Nicht denken, Jan! — ‚tschuldigung, mein Fehler.)
Flugs am richtigen Schalter in der richtigen Schlange angestellt (links von uns die Schlange nach London, rechts von uns die Schlange nach… Granada? Na bitte, schon wieder vergessen.) und den Koffer aufgegeben. Erstaunlich, daß ich kein Übergepäck habe.
Nach dem Durchleuchten meines Rucksacks werde ich höflich, aber bestimmt gebeten, selbigen zu öffnen. Man öffnet meine Federmappe, und ein Gummihandschuh wühlt sich durch meine Stiftesammlung. Meine betroffene Frage, ob ich eventuell eine Schere darin vergessen haben könnte, wird cool verneint. Was kann die Sicherheitsbeamten so mißtrauisch gemacht haben? Ich weiß! In ebenso cooler Manier weise ich auf das zweite Fach im Rucksack hin: „Ist voll mit elektronischen Sachen.“ – „Genau das war’s.“ Na, wußte ich’s doch. Man beäugt den Kabelsalat und weist mit hochgezogenen Augenbrauen auf ein Täschchen im Musikkassettenformat. „Das ist mein MD-Rekorder.“ Blitzartig läßt das Interesse des Sicherheitsbeamten nach. Er schiebt meinen offenen Rucksack weiter und murmelt: „Guten Flug.“ Jaja, wir Linguisten sind schon ein merkwürdiges Völkchen. Nun muß ich mich „nur“ noch neu sortieren.
Der für 6.30 Uhr angekündigte Flug geht doch erst um 6.40 – keine so quälend lange Wartezeit wie letztes Mal. Verwunderlich ist aber die Anweisung beim Einsteigen ins Flugzeug, die ersten 6 Sitzreihen bitteschön frei zu lassen. Warum denn das? Wird es eine Zwischenlandung geben? Kommen Ocean’s 20 mit? Odere andere „celebrities?“ Boshaft grinsend raune ich meiner Sitznachbarin zu: „Vielleicht müssen die Passagiere das Gewicht des Flugzeugs nach hinten trimmen, damit es leichter abhebt.“ Etwa eine halbe Minute später höre ich, wie eine Stewardess genau DAS als Grund angibt. Ich hatte recht! Wäre doch auf die korrekte Antwort eine Million ausgeschrieben gewesen! Die kann man an diesem Tag aber nicht mit aberwitzigen Antworten, sondern mit Loseziehen gewinnen. Ein Los zu 2 Euro. Danke nein, nicht für mich.
Mir steht der Sinn eher nach einem Kaffee und einem Käsesandwich. Für nur 7 Euro bin ich dabei. Wäre ich heute in Verschwenderlaune, könnte ich mich mit Kinderspielen, diversen Duftnoten und anderen Accessoires zum vierfachen des tatsächlichen Marktpreises eindecken. Aber ich schalte auf stur. Schräg hinter mir fragt ein Witzbold, wo denn die Heizdecken blieben. Scheint ein Insider zu sein, der Mann.
Überhaupt ist nichts vorhanden, das nicht für Geld angeboten wird. Keine Tasche vor einem, in der man Zeitschriften finden oder seinen selber mitgebrachten Lesestoff unterbringen könnte. Ergo auch keine Papiertüte für die kleine Übelkeit zwischendurch. Dazu läßt sich von den Passagieren glücklicherweise auch niemand hinreißen, obwohl es bei einigen Kurven genug Gelegenheiten für Zartbesaitete gäbe. Aber Billigfliegerpassagiere scheinen unheimlich hart im Nehmen zu sein. Der umfangreiche Katastrophen-Comic (der Bestseller mit den apathischen Passagieren beim Notlanden, Notwassern und Feuerausbruch in der Kabine) ist in Gesichtshöhe an der Kopfstütze des Vordermanns angebracht. Auf daß man ja keine der lebensrettenden Maßnahmen übersehe oder vergesse. Nach einer Stunde überträgt sich die Apathie auf mich. Oder ist es nur ordinäre Müdigkeit?
Dann und wann kämpft die Stimme des Kapitäns aus dem Lautsprecher gegen den Fluglärm an. Verstehe weder sein Deutsch noch sein Englisch. Er sagt irgendwas von Matterhorn. Dann, später, kommentiert er das Vorbeiziehen einer Insel im Mittelmeer (die auf der rechten Seite), läßt uns aber über die andere (links) im unklaren. Hat da etwa jemand kein Geld nachgeworfen?
Schließlich erreichen wir Malta. Die Insel ist schöner denn je. Es grünt so grün, wenn Maltas Blumen blüh’n. Spüre ich da etwa Liebe zu dem Archipel in mir wachsen? Welch ein Sinneswandel in den letzten 5 Jahren!
Die größte Merkwürdigkeit des Tages: Wir landen um 9.15h – nicht wie geplant um 9.45h. Eine Verfrühung also. Auch mal ganz interessant. Ich wundere mich heimlich, warum für die Landung nicht die letzten sechs Sitzreihen nach vorne rennen müssen. Aber runter geht’s wohl immer einfacher.
Innerhalb von 30 Minuten bin ich ausgestiegen und habe meinen Koffer wieder. Nach weiteren 15 Minuten in einem Taxi (übrigens für nur läppische EUR 25,35) stehe ich vor 1 Alpine Court. Es gibt ein fröhliches Wiedersehen mit den Paces. Alles ist wie immer. Und Joes Boot ist inzwischen auch fertig und seetüchtig. Heute steht nicht mehr viel an. Nur noch ins nahe Internetcafé gehen und diesen Bericht ins Blog einbauen. Es gilt vor allem, Schlaf nachzuholen…
Ein Gedanke zu „Ankunft (29.3.2008)“
Sitze hier gerade etwas ermattet vom heutigen Kopfdruck und habe mich wieder köstlich amüsieren können von den detaillierten Beschreibungen des Fluges. Viele Grüße in diesem Sinne nach Malta! Ich hoffe, du machst dort ein wenig Werbung für die Krimikiste. 😉 Alles Gute wünscht Kristine
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